Dienstag, 18. November 2014

Gastbeitrag Werner:
Provozieren und Provokation

Nordbayerischer Kurier, 30.10.2014
>>> zum Online-Artikel
Schon im Bericht des Nordbayerischen Kuriers vom 30.10.2014 mit dem Titel „Wir waren eine Provokation“ wird darauf verwiesen, wo und wie diese Provokation wirklich entstand. Unter den Besuchern des Jugendzentrums gab es natürlich viele, die sich abgrenzen wollten gegenüber der Erwachsenenwelt, anders sein wollten als ihre „Alten“. Die gelten ja eine ganze Entwicklungsphase lang als eher peinlich. Das ist ein Privileg der Jugend, das nur von jungen Menschen schroff abgelehnt wird, die nicht in ein Jugendzentrum gehören, sondern gleich ins Altersheim, als „Jugendgreise“.

ganz lange Haare
Aber die Mehrzahl derer, die das JuZet besuchten oder dort selbstverwaltend tätig waren, wollte niemanden provozieren. Wir trugen die Haare lang, weil das dem damaligen Zeitgeist entsprach. Die Provokation entstand erst im Kopf jener Nachbarin, die uns gleich am Tag des Einzuges mit üblen Beschimpfungen beehrte, unter anderem mit „ihr langhaarigen Affen“. Sie stand damit stellvertretend für all jene Menschen, für die Anderssein respektive Fremdsein an sich bereits eine Provokation ist.

Fassungslos machte uns der Verdacht, das Jugendzentrum sei ein „Etablissement“, sprich ein Puff. Die Verdächtigung entstand einzig und allein aus dem Umstand, dass am Anfang ziemlich viele Matratzen reingeschleppt wurden. Sie wurden dort, mangels finanzieller Masse zum Kauf besser geeigneter Gegenstände, zu Sitzgelegenheiten verarbeitet. Wie sexfrustiert muß ein Hirn sein, das daraus voller Geilheit einen Sexskandal phantasiert!

Auch den Hort der sozialistischen Weltrevolution, als der das Jugendzentrum in konservativen Kreisen gehandelt wurde, gab es nur in der Phantasie ideologieverseuchter Politikerhirne. Mir ging es streckenweise viel zu unpolitisch zu, weshalb ich beispielsweise die „Montagsgespräche“ selbst initiierte.

20 cm sozialistische Weltrevolution
>>> Geschichte des JUZET
Ich schreibe diese Zeilen, weil diese gartenzwergische Mentalität leider immer noch weit verbreitet ist und so von der Vergangenheit zur Gegenwart eine Brücke ist, auf die ich allerdings gern verzichten würde. Es sind nicht mehr die langen Haare, die in manchen Bürgerhirnen pawlowsche Abwehrreflexe hervorrufen. Heute heißen die Reizwörter Islam, Ausländer, Asylant usw. Aber sie enden in dem gleichen ekelhaften Versuch auszugrenzen, was in der eigenen zaunbewehrten Denkwüste nicht schon vorhanden ist. Es ist zum Haare ausraufen!

Trotzdem oder gerade deswegen freue ich mich auf unsere Wiedersehensparty!


Nachtrag von Christian (13. März 2015):

In der Online-Ausgabe des NK gab es einige Forenbeiträge zu dem Artikel über das Jugendzentrum:

Pfleger 30.10.2014 - 10:10 Uhr
Bayreuths Bürgerschaft dürfte auch heute noch in der Mehrzahl aus Spießern und Spießerinnen bestehen,( nach Definition der linksdrehenden Pseudoelite ).Aber was gibt es Besseres als ein
konsistentes Feindbild, wenn es Einem dann besser geht.Die Millionen Spießer sorgen schon dafür,dass Schulen,Uni`s da sind und für den Notfall Staatsknete abgreifbar ist.

260507 30.10.2014 - 10:31 Uhr
"was gibt es Besseres als ein konsistentes Feindbild"
Da spricht jemand aus Erfahrung. Hilfe, die linksgrünzionistischeuropäische Weltverschwörung! Großartig :D

runnershigh 30.10.2014 - 13:59 Uhr
und es ist auch spießig, sich an Rechtschreibregeln Interpunktion zu halten.

MasterofDesaster 30.10.2014 - 14:39 Uhr
Genau; rechdschrebuung brauchd es nichd

Wie schrieb Werner oben? Es ist zum Haare ausraufen ;-(

1 Kommentar:

  1. Vielen Dank, Werner, für deinen Gastbeitrag!
    Weitere Gastbeiträge zu allen denkbaren Themen zwischen 1974 und 1982 sind sehr willkommen.

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